Törn im August 2009

Für 2009 hatten wir uns etwas besonderes einfallen lassen: einen drei-Generationen-Urlaub auf dem neuen Hybrid-Schiff “SimmerTwirre” aus der Flotte von Yachtcharter Sneek. Am 15. August 2009 begannen wir unseren Törn mit einer Einweisung von Chef Sytze Kooi, der uns mit den Besonderheiten dieser neuen Antriebstechnik vertraut machte. Wir begriffen sofort: nun müssen wir gründlich umdenken, denn dieses Boot wird nicht über ein Ruder manövriert, sondern über zwei Schrauben. Sytze Kooi erklärte uns ausführlich die Vor- und Nachteile dieser Antriebstechnik und teilte uns auch die Überlegungen mit, dieses Boot im nächsten Winter zusätzlich mit einem Ruder auszustatten. Aber dazu im Verlauf unseres Berichtes mehr...

Wir mussten unseren Törn in diesem Jahr besonders sorgfältig planen, da wir besondere Rücksicht auf die eingeschränkte Beweglichkeit unserer Mutter und Schwiegermutter Erna nehmen mussten. Unser erstes Ziel hieß Woudsend. Der Yachthafen “De Rakken” wird in der Beschreibung als behindertengerecht angepriesen. Zwischen zwei Fahnen neben der Hafeneinfahrt fanden wir einen bequemen Liegeplatz mit Stromanschluss (!). Für den ersten Tag hatten wir damit alles, was wir benötigten.

Für dem zweiten Fahrtag hatten wir uns als Ziel Joure vorgenommen. Dieser Hafen vermittelt uns ein besonders heimeliges Gefühl. Wir wissen dort gibt es Strom und Wasser, eine Vuilwater-Station und alles ist leicht zugänglich. Außerdem hat Joure eine abwechslungsreiche Fußgängerzone, so dass alle Törnteilnehmer bestimmt auf ihre Kosten kommen. Und nicht zuletzt hofften wir in Joure Irentje wieder zu treffen, die gute Seele im Havenkantoor. Die Fahrt von Woudsend nach Joure führte uns über Sloten an der Windmühle vorbei über das Slotermeer.

Unterwegs kamen auch unsere, aus 2007 bewährten Crew-T-Shirts wieder mal zum Einsatz... wir freuten uns wieder auf einer Simmerskip unterwegs sein zu dürfen. An dieser Stelle möchten wir auf die gehobene Ausstattung der SimmerTwirre hinweisen. Ein wirklich luxuriöses Schiff... sogar mit Spülmaschine! Da muss kein Crewmitglied mehr beim Abwasch helfen.

Auf dem Weg nach Joure übernahm unser Senior erstmals das Ruder, nein, die Steuerung der SimmerTwirre. Reinhold ist der Beweis dafür, dass man auch mit 77 Jahren noch unter Aufsicht Boot fahren lernen kann.

In Joure angekommen fanden wir einen Liegeplatz mit Stromanschluss im Aussenbereich des Hafens. Genug für diesen Tag dachten wir uns. Aber weit gefehlt: nachdem wir unser Stromkabel angeschlossen hatten und auch die Boote vor und hinter uns - da flog die Sicherung des Stromkastens heraus. Einige Zeit später erschien der Hafenmeister Bernhard mit seinem Technikteam und suchte die Ursache der Überlastung. Die Ursache waren wir! Bernhard erklärte uns freundlich, dass die Stromversorgung leider nicht auf Boote wie die SimmerTwirre ausgelegt ist und wir in diesem Fall auf die Aufladung unserer Batterien an diesem Liegeplatz verzichten müssten. Aber der Hafenmeister hatte einen Tipp für den nächsten Besuch in Joure: direkt im Zentrum des Hafens anlegen und dort einen besonders abgesicherten Stromanschlusskasten verwenden. Wir nahmen uns vor diesen Tipp gleich bei unserem, bereits für Donnerstag geplanten, zweiten Halt in Joure zu testen.

Am dritten Tag führt uns unsere Route von Joure über das Sneeker Meer, die Schleuse von Terherne (steht eigentlich immer offen) und über den Prinses-Margriet-Kanal nach Warten. Dort waren wir bereits und sind uns sicher, gute Anlege- und Versorgungsbedingungen vorzufinden.

Wie erwartet weist uns der freundliche Hafenmeister einen komfortablen Liegeplatz am Ende eines langen Steges zu. Hier müssen wir jedoch mit zwei Einschränkungen leben: Reinhold hebt Erna über die Reeling an Land (auch mal nett zu sehen) und das Stromkabel benötigt die an Bord befindliche Verlängerung. Ausserdem funktioniert die Stromversorgung hier nur unter regelmässigem Einwurf von 50 Cent-Stücken, von denen wir einige benötigten. Allerdings führte die stetige Fütterung des gefrässigen Stromkastens nicht zum gewünschten Erfolg, da die Stromabgabemenge zu gering ist.

Der vierte Tag führt uns von Warten nach Dokkum. Ein langer, aber eindrucksvoller Tag unterwegs bei allerbestem Wetter. Der elektrische Antrieb der SimmerTwirre flüstert leise vor sich hin und lädt zum Entspannen ein.

In Dokkum fanden wir einen freien Liegeplatz direkt unter einer der beiden Windmühlen, Stromanschluss direkt vor der Nase. Aufgrund der pauschalen Abrechnung der Stromkosten konnten wir unsere Batterien mal wieder so richtig aufladen. Kaum hatten wir das Schiff vertäut, wurden wir von einem vorbeifahrenden Museumsschiff bezaubert.

Bislang klappte an Bord alles recht gut, so dass wir uns entschlossen am fünften Tag in den Prinsenhof zu fahren und dort eine Nacht in der Marrekrite zu verbringen. Ein langer, aber wiederum eindrucksvoller Fahrtag bei schönstem Sonnenschein.

Das Naturschutzgebiet Prinsenhof und ein elektrischer, flüsterleiser Bootsantrieb passen einfach hervorragend zueinander!

Nach einem zauberhaften Abend im Prinsenhof fuhren wir am sechsten Tag wieder nach Joure. Schliesslich wollten wir Bernhard’s Tipp ausprobieren und im Zentrum des Hafens anlegen. Die Erlaubnis hatten wir ja bereits. Zum Glück war der Platz noch frei und dieser Stromkasten reicht sogar für “electric powered”.

Da ist sie wieder, Sina’s und Roger’s Lieblingsbank in Joure. Das vermittelt gute Laune und stärkt auch gegen das abendliche Gewitter. Und als sich dies verzogen hatte, machten wir noch einen erfrischenden Abendspaziergang zu dritt durch Joure.

Resümee:

Die SimmerTwirre ist ein super komfortables Schiff in der bewährten Obhut von Yachtcharter Sneek. Die Idee eines Hybrid-Antriebs ist gut und passt hervorragend zu der traditionellen Bauweise von Yachtbouw Simmership und der malerischen Landschaft Frieslands. Allerdings gibt es noch Verbesserungspotential, wie uns Sytze Kooi schon zu Beginn unserer Reise sagte. Die findigen Baumeister rund um Sytze Kooi werden das Problem aber im nächsten Winter in Angriff nehmen und dieser Technik den letzten Schliff verleihen. Wir glauben, das diejenigen, die die SimmerTwirre im nächsten Jahr chartern werden, noch mehr Spaß an dem Schiff haben werden.

Unser 3-Generationen-Urlaub war ein Experiment, was ohne große Komplikationen gut funktioniert hat. Für eine Woche kann man es auf einem so großzügigen Schiff, wie der SimmerTwirre problemlos miteinander aushalten. Jeder hat seinen Rückzugsraum, sogar jede Kabine ein eigenes “Badezimmer”. Besonders hervorzuheben sind die Eigenschaften der Vorschiffkabine: hier gibt es sogar ein seniorengerechtes Bad und auch die Kabine ist für weniger gelenkige Menschen geeignet.